Wie bereits der Name dieses berühmten Damenstifts anzeigt, steht es in Bezug zu dem ehemaligen römischen Staatstempel der Stadt, dem kapitolinischen Tempel für Jupiter, Juno und Minerva. Um 690 soll Plektrudis, die Gemahlin Pippins des Mittleren, an dieser Stelle einen Damenkonvent mit Marienkirche errichtet haben. Erzbischof Bruno gründete hier ein Benediktinerkloster. Aber erst die aus königlich-ottonischer Familie stammende Äbtissin Ida ließ ab 1040 auf den Grundmauern des römischen Tempels das berühmte, repräsentative Damenstift errichten, das bald auch den Namen „Maria im Kapitol“ führte. Dem herrscherlichen Anspruch entsprechend zitiert die Westempore eine Arkade der Aachener Pfalzkapelle sowie der hier erstmals im Rheinland gestaltete Dreikonchen- oder Kleeblattchor den Grundriss der Geburtskirche von Bethlehem. Im Mittelalter galt in liturgischer Hinsicht dementsprechend die Stiftskirche auch als die eigentliche Weihnachtskirche der Stadt. Reiche Stiftungen flossen in baulich erweiternde Kapellen. Stiftern verdanken wir auch die Maßwerkschranken und den großartigen Marmorlettner von 1525. In den beiden Seitenschiffen sehen wir die beiden mit figürlichen Grabplatten gedeckten Tumben von Plektrudis und der Äbtissin Ida. Verschiedene Madonnenfiguren, ein Gabelkreuz, eine Grablegung und weitere Ausstattungsstücke sind beachtenswert. Besondere Bedeutung kommt den beiden einzigartigen romanischen hölzernen Türflügeln von 1049 mit der Darstellung der Lebensgeschichte Jesu zu, die heute im südlichen Seitenschiff ausgestellt sind. – Innerhalb des noch erkennbaren ehemaligen Immunitätsbezirks vor dem Lichhof, dem ehemaligen Friedhof, bilden das Dreikönigenpförtchen von 1330, durch das die Reliquien der Heiligen Drei Könige in die Stadt gebracht worden sein sollen, und das Singmeisterhäuschen von 1466 ein idyllisches Ensemble.