Der heilige Martin ist seit fränkischer Zeit in Köln einer der populärsten Heiligen. Mit Fackelzügen wird er alljährlich im November von den Kindern geehrt. Ihm wurden in Köln gleich zwei Kirchen geweiht. Von der ehemaligen Pfarrkirche Klein-St. Martin steht heute allerdings nur noch der Turm. Aber auch die romanische Kirche Groß-St. Martin wurde im Krieg fast vollständig zerstört. Doch im Herzen der Altstadt gelegen, bestimmt sie heute wieder – wie zuvor schon über Jahrhunderte – neben dem jüngeren Dom die Stadtsilhouette der Rheinfront. Das St. Martin-Patrozinium weist noch auf karolingische Zeit zurück, wie denn auch – unbewiesen – der Vorgängerbau dieser ehemaligen Stiftskirche noch Pippin dem Mittleren und seiner Frau Plektrudis zugeschrieben wurde. Den späteren Bau setzte man auf der ehemaligen Rheininsel auf das Gemäuer einer der großen römischen Hafenhallen aus dem 2. Jahrhundert. Überreste römischer Vorgängeranlagen sind in der wiederhergestellten Krypta zu sehen. Das von Erzbischof Bruno gegründete Herrenstift wurde jedoch noch vor Ende des 10. Jahrhunderts in eine Benediktinerabtei umgewandelt. Ein Großbrand um 1150 in der Altstadt vernichtete auch die Kirche. Das gab den Anlass zu einem kompletten großzügigen Neubau mit dem von Maria im Kapitol kopierten Kleeblattchor und dem immensen Vierungsturm. Die vier kleinen, ihn flankierenden Türmchen und die später hochgezogene Turmspitzen betonen noch zusätzlich seine beherrschende Stellung im Rheinpanorama. Das Kircheninnere bewahrt noch etliche Reste der einst qualitätsvollen mittelalterlichen und auch historistischen Ausstattung.